Der goldene Reif

Als die Kunsthistorikerin Miriam bei einem Besuch in ihrem Geburtshaus in Schottland Briefe ihrer verstorbenen Mutter entdeckt, ist sie fassungslos: Ihr wirklicher Vater soll im ersten Jahrhundert nach Christus gelebt haben und ihre Mutter nach seinem Tod im 20. Jahrhundert gelandet sein! Endlich versteht Miriam die seltsamen Träume, die sie seit Jahren quälen, und begibt sich in die Grampian Mountains. Als sie einen ge-heimnisvollen Halsreif umlegt, findet sich Miriam plötzlich im Jahre 84 nach Christus wieder – und verliebt sich unsterblich in einen römischen Feldherrn …

Leseprobe

Miriam McCarthy erwachte von dem Geschrei der Vögel vor dem Fenster ihrer kleinen Wohnung am Rande der Londoner Innenstadt. Am ganzen Körper zitternd öffnete sie die Augen und versuchte, die grässlichen Bilder aus dem Traum zu vertreiben, der sie immer noch fest umklammert hielt. Benommen setzte sie sich auf und presste ihre Hand vor die Stirn, um die überwältigende Bilderflut in ihrem Kopf zu stoppen.

Der Traum machte ihr Angst; er verfolgte sie, seitdem sie denken konnte. Bis heute hatte sie allerdings keine Erklärung dafür, woher die furchtbaren Bilder kamen.

Sie sah sterbende Krieger mit langen Bärten und riesigen Schwertern in der Hand. Wohin man sich wandte, war die Erde blutrot gefärbt und mit wahllos abgetrennten Gliedmaßen übersät, die das grausame Kriegsgeschehen widerspiegelten. Das Schlimmste aber war der süßliche Geruch, der wie ein klebriger Schleier schwer über dem Schlachtfeld hing. Todesangst und Grauen, vermischt mit dem Blut von Männern, Tieren, Frauen und Kindern. Sie konnte die furchtbaren Schreie nicht vergessen, die nach diesem Traum tagelang in ihren Ohren schrillten, wie ein Echo, das nicht aufhörte sich zu wiederholen.

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